Aktuelles

Offener Brief: Beendigung der rechtswidrigen Qualhaltung von Sauen (PDF)

Entgratung von Spaltenböden – Schreiben an das Deutsche Institut für Normung (PDF)

Resolution zu Fragen der Nutztierhaltung in Deutschland

Für die Entwicklung effektiver Strategien zur Tierleidminderung wurde Mahi Klosterhalfen mit dem Peter-Singer-Preis 2019 ausgezeichnet.

Verleihung des Peter-Singer-Preises 2019:
Einsatz für Tiere jenseits der eigenen Komfortzone

Für die Entwicklung effektiver Strategien zur Tierleidminderung wurde am vergangenen Samstag Mahi Klosterhalfen mit dem Peter-Singer-Preis 2019 ausgezeichnet. Tenor der Preisverleihung und Motto des Preisträgers: Wer Tierleid vermindern will, muss die eigene Komfortzone verlassen und auch ungeliebte Kooperationen suchen – grundsätzliche Gegner der Nutztierhaltung ebenso wie jene, die nicht auf Fleisch verzichten wollen.

Die Biografie des diesjährigen Peter-Singer-Preisträgers Mahi Klosterhalfen hat Züge eines Hollywood-Drehbuchs: Als BWL-Student fällt ihm die Autobiografie von Gandhi in die Hände. Eine Stelle im Buch beeindruckt ihn besonders. Als Ghandi sehr krank ist, bestehen seine Ärzte darauf, dass er Hühnersuppe isst, da er sonst sterben würde. Ghandi jedoch weigert sich mit dem Hinweis, dass er lieber sterben würde, als für den Tod eines anderen Lebewesens verantwortlich zu sein. Bekanntlich überlebte Ghandi den Hühnersuppen-Verzicht und starb später an den Folgen menschlichen Irrsinns durch das Attentat eines fanatischen Hindu-Nationalisten. Die Hühnersuppen-Episode in Ghandis Biografie lässt den BWL-Studenten Klosterhalfen seinen Fleischkonsum überdenken und zum Veganer werden. Doch damit nicht genug. Er überzeugt auch den Chef der Mensa, keine Käfigeier mehr zu verwenden. Durch diese Aktion wird der Gründer der Tierschutzorganisation „Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt“ 2007 auf Klosterhalfen aufmerksam und engagiert ihn. Gemeinsam folgen unter anderem erfolgreiche Gespräche mit deutschen Supermarktketten über den Ausstieg aus dem Verkauf von Käfigeiern und die Ausweitung des veganen Sortiments. Dank seiner BWL-Kenntnisse baut Klosterhalfen die Albert-Schweitzer-Stiftung vom Ein-Mann-Betrieb zu einer bekannten Organisation mit heute rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von fast 2 Millionen Euro aus, die die Stiftung hauptsächlich für Kampagnen zur Leidminderung sogenannter Nutztiere verwendet.

Für diese Aufbauleistung erhielt Mahi Klosterhalfen, der heute geschäftsführender Vorstand der Albert-Schweitzer-Stiftung ist, am Samstag in Berlin den mit 10.000 Euro dotierten Peter-Singer-Preis, der seit 2015 jährlich vom „Förderverein des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung e.V.“ verliehen wird. Das Preisgeld wird, so Klosterhalfen, der Albert-Schweitzer-Stiftung zugute kommen, um deren Kampagnen zur Leidminderung von Nutztieren weiter voranzubringen. Klosterhalfen wies in seiner Dankesrede darauf hin, dass es zum Erreichen dieses Ziels notwendig sei, als Tierfreund die eigene Komfortzone zu verlassen, sprich sich auch auf Gespräche mit Akteuren rund um die Nutztierindustrie einzulassen.

Das Verlassen der eigenen Komfortzone war auch das bestimmende Motiv des umfangreichen Vortrags-Rahmenprogramms der Preisverleihung. Wobei das Verlassen der Komfortzone sowohl den grundsätzlichen Gegnern der Nutztierhaltung im Publikum abverlangt wurde als auch jenen, die nicht auf den Verzehr von Fleisch verzichten wollen. Ersteren dürfte nicht geschmeckt haben, dass die Abschaffung der Nutztierhaltung sowie Tierrechte bei der diesjährigen Verleihung des Peter-Singer-Preises nicht einmal ansatzweise diskutiert wurden. Für Letztere dürfte die Information schwer verdaulich gewesen sein, dass eine auch nur einigermaßen angemessene und leidfreie Haltung von Nutztieren enorme Kosten verursachen und Fleisch sowie tierische Produkte erheblich verteuern würde. Eine Einschätzung, die nicht von vermeintlich ahnungslosen Tierschützern stammt, sondern von den Vortragenden des Abends – durchweg Experten in der Nutztierhaltungsforschung.

Prof. Dr. Edna Hillmann, Spezialistin für Tierhaltungssysteme am Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der HU Berlin gab einleitend einen Überblick darüber, was in der einschlägigen Forschung unter „Tierwohl“ verstanden wird. Hierzu gehöre neben der Vermeidung von Hunger und Durst, Unwohlsein, Schmerzen, Krankheiten, Furcht und Stress auch die Möglichkeit, dass ein Tier sein natürliches Verhalten ausleben könne. Bei Schweinen sei es beispielsweise ein natürliches Verhalten, die Umgebung in verschiedene Bereiche für Ruhe, Fressen, Aktivität und Koten aufzuteilen. Dieses Verhalten auszuleben, sei in der aktuell üblichen Schweinehaltung nicht möglich. Auch die von der Politik derzeit geplanten minimalen Vergrößerungen der festgelegten Haltungsfläche pro Schwein änderten daran nichts.

Dass die gegenwärtige Nutztierhaltung mit „Tierwohl“ im genannten Sinne nicht viel zu tun hat, darauf verwiesen auch die Präsidentin der Tierärztekammer Berlin, Dr. Heidemarie Ratsch, die über tiergerechte Nutztierhaltung im Spiegel des Ethikkodexes der Tierärztinnen und Tierärzte Deutschlands referierte, sowie Dr. Michael Marahrens von der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. Letzterer berichtete unter anderem von seinen Versuchen zur Schlachtbetäubung von Schweinen mit Stickstoff, da die Tiere unter der derzeit üblichen Betäubung mit Kohlendioxid starke Schmerz- und Atemnotreaktionen zeigten – weswegen die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) auch die Abschaffung dieser Methode empfiehlt. Veterinär-Physiologe Prof. Dr. Holger Martens von der FU Berlin zeigte am Beispiel der Milchkühe ferner auf, wie Tierleid durch einseitige Züchtung auf Leistung entsteht. So komme es bei modernen Hochleistungskühen oft zu Klauenproblemen, die in direktem physiologischen Zusammenhang mit ihrer Milchleistung stehen. Die Tiere erleiden hierdurch Schmerzen und nicht selten kommt es zu einer Schlachtung noch in jungem Alter.

Beispielbild

Auf die ökonomischen Aspekte eines verbesserten Tierschutzes in der Nutztierhaltung ging Prof. Folkhard Isermeyer ein, Präsident des Thünen-Instituts. Das landwirtschaftliche Forschungsinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft erarbeitet wissenschaftliche Grundlagen als Entscheidungshilfe für die Politik der Bundesregierung. Isermeyer machte mehr als deutlich, dass der Markt ein ungeeignetes Werkzeug ist, um Tierwohl zu gewährleisten. Zwar fordert der Verbraucher Tierwohl, weil er Fleisch und andere tierische Produkte mit gutem Gewissen verzehren will, doch letztlich lässt er sich leicht und gern täuschen. Isermeyer verwies diesbezüglich auf die Macht entsprechender Bilder wie zum Beispiel fröhliche Bauernhofhühner auf Eierverpackungen, während in der Realität 18 Legehennen auf dem Raum einer Duschkabine leben müssten. Auch das geplante Tierwohl-Label sei von einem Wohl der Tiere im wissenschaftlichen Sinne weit entfernt. Tierwohl, so Isermeyer, koste Geld. Da der Markt jedoch billige Produkte fordere, müsse der Staat investieren, um das im Grundgesetz festgeschriebene Staatsziel „Tierschutz“ umzusetzen. Isermeyer geht von rund 3–5 Milliarden Euro Zahlungen an Landwirte pro Jahr aus, um die Haltung sämtlicher Tierarten im Sinne des Tierwohls angemessen umzustellen. Zur Gegenfinanzierung plädiert er für eine Anhebung der Mehrwertsteuer vom derzeit reduzierten auf den normalen Satz für Fleisch und Milch. Wenn beides teurer würde, sei auch mit einem Rückgang des Verbrauchs zu rechnen, was zusätzlich positive Auswirkungen auf das Klima und regionale Umweltproblematiken durch umfangreiche Nutztierhaltung habe.

Neben der sehr intensiven Diskussion um die Problematik des Tierwohls in der Nutztierhaltung wurden im Rahmen der Preisverleihung auch juristische Aspekte der Nutztierhaltung thematisiert. Der Rechtsanwalt, Experte für Tierschutzrecht und ehemalige CDU-Politiker Hans-Georg Kluge referierte über von ihm rechtlich betreute Fälle von Stalleinbrüchen sowie aktuelle einschlägige Urteile. Besonders hob Kluge das vor wenigen Wochen ergangene Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Kükentöten hervor. In § 1 des deutschen Tierschutzgesetztes heißt es „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“. Bislang hätten Gerichte dazu tendiert, ökonomische Gründe – wie das Töten der für die Nutztierindustrie wertlosen männlichen Küken – als „vernünftige Gründe“ anzuerkennen. Nun sei jedoch erstmals obergerichtlich entschieden worden, dass ökonomische Gründe nicht unmittelbar vernünftige Gründe seien. Entsprechend muss nun in Brutbetrieben auf die technisch längst machbare frühzeitige Geschlechtserkennung im Ei umgestellt werden und das Kükentöten bleibt nur für eine Übergangszeit weiterhin erlaubt.

Die Laudatio auf den Preisträger hielt schließlich Rechtsanwalt Eisenhart von Loeper, der 1987 die Vereinigung „Juristen für Tierrechte“ gegründet und wohl für den größten rechtlichen Fortschritt für Tiere in Deutschland gesorgt hat: In den 1990er Jahren leitete er maßgeblich die Bestrebungen zur Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz, welche 2002 erfolgte. Von Loeper lobte vor allem die Verknüpfung von Wirtschaft und Tierschutz, die Preisträger Mahi Klosterhalfen erreicht habe.

Das Schlusswort am Ende der rund vierstündigen Veranstaltung hatte schließlich der Empfänger des 5. Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung selbst: „Lassen Sie uns die Hebel finden, um Tierleid zu beenden“, appellierte Klosterhalfen ans Publikum. „Und lassen Sie uns diese Hebel nutzen, auch wenn das außerhalb unserer Komfortzonen liegt.“

Vortrag von Dr.med. Walter Neussel zur 5. Verleihung des Peter-Singer-Preises am 29.06.2019 in Berlin:

Nutztierethische Fragestellungen –
ein Tabuthema für Ethikräte?

Ethikräte haben den Auftrag, neben der Informierung der Öffentlichkeit auch Stellungnahmen und Empfehlungen für politisches und gesetzgeberisches Handeln zu erarbeiten. Würden sich Ethikräte also grundlegend mit Fragen der Nutztierhaltung befassen (was bisher praktisch in keinem Land der Erde der Fall ist), könnten sie Vorschläge wie den auf der Basis des vom BMEL in Auftrag gegebenen Gutachtens von 2015  „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ ausarbeiten, die wiederum maßgeblich für eine zukünftige Gesetzgebung sein könnten. Etwa 80% der deutschen Bevölkerung  wünschen  ja einen verbesserten Tierschutz in der Nutztierhaltung.

Ich habe deshalb ein dementsprechendes Schreiben, welches von Herrn Prof. Ben Moore (Direktor des Zentrums für Theoretische Astrophysik und Kosmologie als Nachfolger auf dem  Lehrstuhl von Albert Einstein in Zürich) und Herrn Steve Wise, dem Gründer und Präsidenten des „Nonhuman Rights Project“ mitgetragen wird, an die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates, den Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, das Nuffield Council on Bioethics in Großbritannien, den Vorsitzenden der Eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Außenhumanbereich sowie einzelne Mitglieder  von Ethikräten gesandt.

Der Text des Schreibens lautet:

„Die industrielle Nutztierproduktion hat sich nach dem 2.Weltkrieg immer einseitiger in Richtung Rationalisierung und Gewinnmaximierung entwickelt, wobei das Wohlbefinden  der betroffenen Tiere weitgehend unberücksichtigt blieb. Qualzucht und Qualhaltung für eine Vielzahl der 56 Milliarden Schlachttiere pro Jahr weltweit sind zu einem Problembereich geworden, dessen extreme Auswüchse von der Mehrzahl empathisch empfindender Mitbürger abgelehnt werden und die dringend außer einer ökonomischen Betrachtungsweise auch einer tierethischen Würdigung bedürfen. Der in der Anlage beigefügte Appell erläutert diesen Aspekt.

Wir appellieren an diejenigen Ethikräte, die sich lediglich mit forschungsrelevanten humanethischen und tierethischen Fragestellungen befassen, zusätzlich auch nutztierethische Themen in ihren Aufgabenbereich aufzunehmen oder sich in ihrem Einflussgebiet für eine zusätzlichen dementsprechenden Ethikrat einzusetzen.“

Als Anlage zu diesem Schreiben hatte ich den Wortlaut eines Kampagnentextes gegen Qualzucht und Qualhaltung beigefügt, den ich zusammen mit anderen Unterzeichnern initiiert hatte. Dieser Text lautet:

„Die Unterzeichner rufen zur Erarbeitung einer tiergerechten Zukunftsstrategie in  der Tierzucht und Tierhaltung auf und fordern eine sofortige Beendigung der Qualzucht und Qualhaltung von Puten.  Begründung:Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kommt in seinem Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ von März 2015 zu dem Schluss, dass unsere derzeitige Nutztierhaltung hinsichtlich relevanter gesellschaftlicher Ziele wie Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz nicht zukunftsfähig ist. Deshalb fordern sie tiefgreifende Änderungen in der Nutztierhaltung, da die tägliche Praxis unserer landwirtschaftlichen Produktion in hohem Maße mit Qualzucht und Qualhaltung verbunden ist.

Unter QUALZUCHT ist die Ausübung von Zuchtmaßnahmen zu verstehen, die bei den betroffenen Tieren zu unzumutbaren Schmerzen, Leiden, Gesundheitsschäden und Verhaltensstörungen führt. Das Leid der Tiere aus wirtschaftlichen und gewinnorientierten Interessen zu fördern, heißt, einen ethisch nicht verantwortbaren Zustand billigend in Kauf zu nehmen. Nach §11b des Deutschen Tierschutzgesetzes ist Qualzucht verboten; in der Praxis wird diese gesetzliche Bestimmung jedoch mangelhaft umgesetzt und in der Rechtsprechung viel zu tierhalterfreundlich ausgelegt.

Unter QUALHALTUNG ist eine  Tierhaltung zu verstehen, die bei den betroffenen Tieren zu Dauerstress führt, der erzeugt wird durch zu hohe Besatzdichten, lebenslanges Dahinvegetieren im eigenen Kot, Aufwachsen in geschlossenen Hallen ohne Freilandzugang sowie durch Verstümmelungen und Verhinderung artgerechten Verhaltens. Eine solche Qualhaltung  wird durch Rechtsverordnungen ermöglicht, die das bestehende Tierschutzrecht bewusst unterlaufen und Produktionskrankheiten billigend in Kauf nehmen. Sie wird auch deshalb in erschreckendem Ausmaß toleriert, weil klare Definitionen fehlen, wann Tierzucht zu Qualzucht und Tierhaltung zu Qualhaltung werden.

Dementsprechend müssen vom Gesetzgeber unbedingt und ohne weiteren Verzug – wie von veterinärmedizinischer Seite seit langem gefordert – verbindliche Parameter erarbeitet werden, an denen sich Züchter und Vollzugsbehörden orientieren können. Das Ausmaß zumutbarer Einschränkungen muss von züchtungs- und haltungsbedingten unzumutbaren Schädigungen, Schmerzen und Leiden abgegrenzt werden. Der institutionalisierte Rechtsbruch mit systemimmanenter Tierquälerei muss ein Ende finden.

Besonders eklatant sind die Missstände hinsichtlich Qualzucht und Qualhaltung in der tierindustriellen Produktion von Puten. Kaum eine Tierart hat in ihrer Entwicklung zum landwirtschaftlich genutzten Tier so viele genetische Manipulationen über sich ergehen lassen müssen und ist unter Berücksichtigung ethischer Erwägungen ungeeigneter für die industrielle Intensivhaltung als die Pute. Eine EU-Tierschutzrichtlinie für Putenhaltung gibt es nicht.“

Auf die Verlesung desübrigen Kampagnentextes verzichte ich aus Zeitgründen.        Die Unterzeichner sind: Herr Dr. Dr. Martin Balluch, Herr Dr. Mark Benecke, Frau Hiltrud Breyer, Herr Prof. Wolfgang Karnowsky, Frau Dr. Angela Küster, Herr Prof. Sievert Lorenzen, Herr Prof. Reinhard Merkel, Herr Prof. Thomas Metzinger, Herr Prof. Ben Moore und ich.

Von Seiten der Ethikräte habe ich auf dieses Schreiben ( mit einer Ausnahme ) leider keine Antwort erhalten. Warum sich diese Verantwortungsträger mit Äußerungen zurückhalten, ist nicht schwer zu verstehen. Eine Verteidigung der schrecklichen Zustände in der Massentierhaltung dürfte einem Ethiker schwerfallen. Auf in Qualzucht und in Qualhaltung dahinvegetierende Nutztiere kann man auch nicht guten Gewissens Albert Schweitzer`s berühmten Satz anwenden: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“. Beispielsweise erleiden mehr als 50% der Legehennen mindestens einmal in ihrem kurzen Leben wenigstens einen schmerzhaften Knochenbruch als Folge der etablierten Qual z u c h t bedingungen . Und tatsächliche Qual h a l t u n g  ist es, weibliche Zuchtschweine über sehr lange Zeiträume nahezu bewegungsunfähig in Kastenständen zu fixieren oder Puten und Masthühner lebenslang in ihren eigenen Fäkalien ( ohne zwischenzeitliche Reinigung des Stalles ) stehen bzw. liegen zu lassen, was fast zwangsläufig zu Ballenentzündungen führt und auf Grund der dauerhaft bestehenden Ammoniakatmosphäre permanent die Schleimhäute reizt. Für diese armen, leidensfähigen Lebewesen wäre es zweifellos besser, niemals geboren worden zu sein.

Aus meiner Sicht kann man solche Auswüchse in der Nutztierhaltung  mit den Worten von Hannah Arendt nur als „Banalität des Bösen“ bezeichnen.

Ethikräte, die von staatlicher Seite mit der Bearbeitung nutztierethischer Fragestellungen beauftragt wären und den Mut zur Wahrheit aufbrächten, könnten  ihre Arbeit mit der Prüfung der  ganz wesentlichen Fragestellung beginnen, ob nicht die derzeitigen Agrarsubventionen in Höhe von 6,8 Milliarden Euro allein für deutsche Bauern umgewidmet werden sollten in dem Sinne, dass diese Gelder nicht mehr von der bewirtschafteten Fläche abhängen, sondern vom Ausmaß der von den Bauern umgesetzten  tiergerechten Verfahren. Wie wir von Herrn Prof. Isermeyer heute gehört haben, könnte eine weitere sinnvolle Maßnahme allein oder in Verbindung mit den oben genannten Umwidmungsmaßnahmen darin bestehen, dass die Mehrwertsteuervergünstigung für tierische Lebensmittel beendet wird, was weitere 5 Milliarden Euro erbringen würde.- Das Geld für eine Wende in der EU-Agrarpolitik wäre also da und Ethikräte könnten den Politikern auf die Sprünge helfen, dem Willen der Mehrheit der Bevölkerung gerecht zu werden. Sie sollten sich vor dieser Verantwortung nicht drücken. Wirklich dringend gebotene Tierschutzmaßnahmen in der Nutztierhaltung dürfen kein Tabuthema für Ethikräte bleiben!

PSP 2018: Preisverleihung an Philip Wollen

Interview with Philip Wollen: The Bank Executive who became an animal rights activist (English)

Interview with Philip Wollen, 9th of June 2018 in Berlin, Germany. Filmed and edited by Martin Smedjeback (Quelle: Martin Smedjeback, 2018).

„Ich gebe einfach nicht auf und hoffe, dass sich Menschen ändern können“

hpd-Interview mit Peter Singer
Der australische Philosoph Peter Singer stieß in den 1970er-Jahren eine gesellschaftliche Diskussion über den moralischen Status von Tieren an, die bis heute anhält. Doch Singers teilweise umstrittene Philosophie richtet den Fokus nicht nur auf Tiere, sondern auch auf Menschen und darauf, wie beider Leid in der Welt möglichst effektiv gemindert werden kann. hpd-Redakteurin Daniela Wakonigg sprach mit Peter Singer am Rande der Verleihung des Peter-Singer-Preises 2018 in Berlin (Quelle: Daniela Wakonigg, Humanistischer Pressedienst, www.hpd.de, 04.07.2018).

hpd-Artikel zur Verleihung des Peter-Singer-Preises 2018
Zusammenfassung der Preisverleihung des 4. PSP an Philip Wollen vom 09. Juni 2018 (Quelle: Humanistischer Pressedienst, www.hpd.de, 2018).

Video-Galerie mit Reden des Peter-Singer-Preises 2018 (English and German)
Link zu Videos der Veranstaltung vom 09. Juni 2018 in Berlin (Quelle: Martin Smedjeback, 2018)


Kampagne gegen Qualzucht und Qualhaltung

Die Unterzeichner rufen zur Erarbeitung einer tiergerechten Zukunftsstrategie in der Tierzucht und Tierhaltung auf und fordern eine sofortige Beendigung der Qualzucht und Qualhaltung von Puten.

Begründung:
Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kommt in seinem Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ von März 2015 zu dem Schluss, dass unsere derzeitige Nutztierhaltung hinsichtlich relevanter gesellschaftlicher Ziele wie Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz nicht zukunftsfähig ist. Deshalb fordern sie tiefgreifende Änderungen in der Nutztierhaltung, da die tägliche Praxis unserer landwirtschaftlichen Produktion in hohem Maße mit Qualzucht und Qualhaltung verbunden ist.

Unter QUALZUCHT ist die Ausübung von Zuchtmaßnahmen zu verstehen, die bei den betroffenen Tieren zu unzumutbaren Schmerzen, Leiden, Gesundheitsschäden und Verhaltensstörungen führt. Das Leid der Tiere aus wirtschaftlichen und gewinnorientierten Interessen zu fördern, heißt, einen ethisch nicht verantwortbaren Zustand billigend in Kauf zu nehmen. Nach §11b des Deutschen Tierschutzgesetzes ist Qualzucht verboten; in der Praxis wird diese gesetzliche Bestimmung jedoch mangelhaft umgesetzt und in der Rechtsprechung viel zu tierhalterfreundlich ausgelegt.

Unter QUALHALTUNG ist eine Tierhaltung zu verstehen, die bei den betroffenen Tieren zu Dauerstress führt, der erzeugt wird durch zu hohe Besatzdichten, lebenslanges Dahinvegetieren im eigenen Kot, Aufwachsen in geschlossenen Hallen ohne Freilandzugang sowie durch Verstümmelungen und Verhinderung artgerechten Verhaltens. Eine solche Qualhaltung wird in erschreckendem Ausmaß rechtswidrig geduldet, da klare Definitionen fehlen, wann Tierzucht zu Qualzucht und Tierhaltung zu Qualhaltung werden. Dementsprechend müssen vom Gesetzgeber unbedingt und ohne weiteren Verzug – wie von veterinärmedizinischer Seite seit langem gefordert – verbindliche Parameter erarbeitet werden, an denen sich Züchter und Vollzugsbehörden orientieren können. Das Ausmaß zumutbarer Einschränkungen muss von züchtungs- und haltungsbedingten unzumutbaren Schädigungen, Schmerzen und Leiden abgegrenzt werden.

Besonders eklatant sind die Missstände hinsichtlich Qualzucht und Qualhaltung in der tierindustriellen Produktion von Puten. Kaum eine Tierart hat in ihrer Entwicklung zum landwirtschaftlich genutzten Tier so viele genetische Manipulationen über sich ergehen lassen müssen und ist unter Berücksichtigung ethischer Erwägungen ungeeigneter für die industrielle Intensivhaltung als die Pute. Eine EU-Tierschutzrichtlinie für Putenhaltung gibt es nicht.
J. Berk und T. Bartels (Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Institutes) schreiben: „Fußballenentzündungen sowie von Artgenossen zugefügte Verletzungen (‚Kannibalismus‘) gehören sowohl unter Tierschutzaspekten als auch aus ökonomischer Sicht zu den relevanten Krankheitsbildern in der Putenhaltung. … Diverse Untersuchungen deuten darauf hin, dass Haltungs- und Managementfaktoren sowie die Genetik eine wesentliche Rolle spielen. Eine Lösung dieser tierschutzrelevanten Probleme kann nur im Zusammenwirken von einer Verbesserung der Tierhaltung und des Managements sowie der verstärkten Beachtung von Tiergesundheit und Tierwohl in der genetischen Selektion der Zuchtfirmen erreicht werden.“

Aufgrund der gravierenden genetischen Veränderungen und der systembedingten Missachtung tiergerechter Haltungsbedingungen resultieren für die Puten also erhebliche Schmerzen und Leiden. Menschen guten Willens sollten diese Zustände in der Putenzucht und Putenhaltung nicht mehr tolerieren.

Für die EU-Agrarpolitik ganz allgemein gilt: „Das Geld für die Wende wäre da, es müsste nur umgewidmet werden. 6,8 Milliarden Euro an Agrarsubventionen allein durch die EU werden an deutsche Bauern ausgezahlt, die Höhe hängt vor allem von der bewirtschafteten Fläche ab. Besser wäre es, das Geld an den Zustand der Tiere zu binden und parallel dazu ein flächendeckendes Monitoring zu finanzieren“ (Der Spiegel 38/2016).

Die Unterzeichner:

  • Balluch, Dr. Dr. Martin (Obmann des Vereins gegen Tierfabriken, Österreich)
  • Benecke, Dr. Mark (bekannter Kriminalbiologe, Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen der Partei DIE PARTEI)
  • Breyer, Hiltrud (Gründungsmitglied der Grünen, Mitglied des Europäischen Parlaments von 1989-2009)
  • Karnowsky, Prof. Dr. Wolfgang (Vorsitzender des Vorstands der Hanns Rönn Stiftung)
  • Küster, Dr. Angela (Politologin für Agrarökologie und Ernährungssouveränität, Landesvorsitzende Berlin der V-Partei³)
  • Lorenzen, Prof. Dr. Sievert (Vorstandsvorsitzender von Provieh e.V.)
  • Merkel, Prof. Dr. Reinhard (em. Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie der Universität Hamburg, Mitglied des Deutschen Ethikrates)
  • Metzinger, Prof. Dr. Thomas (Leiter des Arbeitsbereiches Theoretische Philosophie und der Forschungsstelle Neuroethik der Universität Mainz)
  • Moore, Prof. Dr. Ben (Director of the Centre for Theoretical Astrophysics & Cosmology, University of Zurich)
  • Neussel, Dr. Walter (1.Vorsitzender des Fördervereins des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung)

Stellungnahme des VGT zur Qualzucht und Qualhaltung mit besonderer Berücksichtigung der Puten aus österreichischer Sicht

Das österreichische Tierschutzgesetz verbietet in § 5 (2) 1. „Züchtungen […], bei denen vorhersehbar ist, dass sie für das Tier oder dessen Nachkommen mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst verbunden sind“. Zusätzlich verbietet § 5 (2) 13. es, wenn „die Unterbringung […] eines […] gehaltenen Tieres in einer Weise […] gestaltet [ist], dass für das Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind oder es in schwere Angst versetzt wird“. Darüber hinaus gelten § 16 (1) „Die Bewegungsfreiheit eines Tieres darf nicht so eingeschränkt sein, dass dem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden oder es in schwere Angst versetzt wird“ und § 16 (2) „Das Tier muss über einen Platz verfügen, der seinen physiologischen und ethologischen Bedürfnissen angemessen ist“.
Diese allgemeinen Bestimmungen sind insbesondere in der Putenhaltung eklatant übertreten. Die in Österreich verwendeten Zuchtrassen sind „Converter“ aus Kanada und „Big-6“ aus England. Diese Tiere werden so schwer und unbeweglich, dass ihnen die natürliche Fortpflanzung nicht möglich ist. Die männlichen Tiere werden gut 5 Mal so schwer, wie ihre natürlichen Artgenossen. Eine Untersuchung des VGT hat ergeben, dass sich die Puten in den Masthallen nur sehr wenig bewegen. 70 % der Tiere bewegen sich im Tagesmittel weniger als 2 m in 10 Minuten, 55 weniger als 1 m. Sie leiden unter Lahmheit, Nekrose der tiefen Brustmuskulatur und Beinschwäche. Die Haltung ist besonders brutal. In Österreich werden etwa 1,3 Millionen Puten pro Jahr geschlachtet. Es gibt 144 Betriebe, die zu jedem Zeitpunkt im Mittel 4500 Puten in ihren Hallen halten. Die Sterberate an den Haltungsbedingungen ist etwa 15 %. Allen Puten werden mit Laser die Schnabelspitzen abgebrannt, damit sie sich nicht vor Verzweiflung gegenseitig picken. Sie müssen in strukturlosen Hallen mit anfangs 3 Puten pro m², später 3 Puten pro 2 m² auskommen. Dazu werden sie die gesamten 5 Monate hindurch nie ausgemistet, ihr Kot akkumuliert bis zu 30 cm Höhe. Und das, obwohl die 1. Tierhaltungsverordnung in Österreich vorsieht, dass bei Tieren die Ausscheidungen „so oft, wie nötig, zu entfernen“ sind. 30-40 % haben entsprechende Wunden an Füssen und Brust aufgrund von Verätzungen. In 70 % der österreichischen Betriebe wird die Beleuchtung mit 20 Lux 24 Stunden pro Tag aufrecht erhalten. Die Tiere zeigen keine Schlafphasen. Stattdessen sind Kannibalismus und schwere Kämpfe prävalent. Auch das Einfangen, der Transport und die Schlachtung von Puten wurden vom VGT in Österreich dokumentiert. Er ist von viel Gewalt und damit verbunden von Leid, Schmerzen und großer Angst begleitet.

Der VGT schließt sich der diesbezüglichen Initiative des Fördervereins des Peter Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung an gegen Qualzucht und Qualhaltung insbesondere von Puten an.

Anmerkung:
Der vorstehende Basistext für Kampagnen gegen Qualzucht und Qualhaltung einschließlich der Ergänzung des VGT ist als organisatorischer Beitrag zur Minderung von Tierleid zu verstehen. Für dementsprechende Kampagnen werden ihn Provieh e.V. in Deutschland und der Verein gegen Tierfabriken (VGT) in Österreich einsetzen. Der Text steht im Übrigen auch anderen Organisationen und motivierten Einzelpersonen, die sich einem Einsatz gegen die inhumanen Zustände in der modernen Landwirtschaft verpflichtet fühlen, zur freien Verfügung. Er kann unverändert einschließlich der Unterzeichnerliste oder in Teilbereichen ohne diese verwendet werden.

Ich danke allen Unterzeichnern und allen Tierfreunden und Tierrechtlern, die an der Verbesserung des Textes mitgearbeitet haben, recht herzlich.

Dr. med. Walter Neussel
(1.Vorsitzender des Fördervereins des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung)

Campaign against cruel breeding and cruel factory farming

The undersigned call for the elaboration of an animal-oriented future strategy for animal breeding and animal farming and demand the immediate termination of the cruel breeding and cruel factory farming of Turkeys.

Reason:
In its opinion „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ („Towards a Socially Acceptable Livestock Farming“) from March 2015, the Scientific Advisory Board for Agricultural Policy (Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik) at the German Federal Ministry of Food and Agriculture concludes, that our current livestock farming is not sustainable with regard to relevant social objectives such as protection of the environment, animal welfare and consumer protection.The daily practice of our agricultural production is largely linked to cruel breeding and cruel factory farming, which is the reason why they call for profound changes in livestock farming.

CRUEL BREEDING can be defined as the practice in which breeding measures lead to unreasonable pain, suffering, health damage and behavioral disorders among the animals concerned. In facilitating the suffering of animals out of economic and profit-oriented interests, an ethically unacceptable situation is accepted. According to Article 11b of the German Animal Protection Act, cruel breeding is forbidden. In the daily practice, however, we see that the law is not implemented sufficiently and that the jurisprudence is interpreted in a far too lenient way towards the animal farmers.

CRUEL FACTORY FARMING can be defined as animal farming in which the animals concerned experience permanent stress, caused by a high population density, life-long dwelling in their own droppings, growing up in closed halls without free access to the open air, as well as by mutilation and obstruction of type appropriate behaviour.  This kind of cruel farming is tolerated on a frightfully large scale, because there are no clear definitions for when the breeding of animals becomes cruel breeding and cruel farming. Accordingly, we should demand without further delay that the legislator – as already long required by veterinary medicine – elaborates binding parameters, which can be used by breeders and enforcement authorities.  There is a need for a clear distinction between the extent of reasonable limitations and the unacceptable injuries, pain and suffering caused by breeding and farming.

In the field of the industrial production of turkeys, the abuse is particularly striking with regard to cruel breeding and cruel farming. In its elaboration into farm animal, the turkey is probably the animal which had to undergo the most genetic manipulations, yet as a species the turkey is unsuitable for industrial intensive farming from an ethical point of view. There is no EU animal welfare guideline for turkeys.

As J. Berk and T. Bartels (Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Institutes, the Institute for Animal Protection and Animal Conservation of the Friedrich-Loeffler-Institute) write: „Inflammation of the ball of the foot as well as injuries caused by other turkeys (‚cannibalism‘) belong to the relevant illnesses in turkey farming, both from an animal protection and an economic point of view … In various studies is suggested that farming and management as well as genetics play an important role. A solution for these problems related to animal welfare can only be achieved by a combination of factors such as improvements in animal farming and management as well as increased attention for animal health and animal welfare during the genetic selection by breeding companies. “

Due to the serious genetic changes and the system-induced disregard of animal-friendly conditions in animal farming, the turkeys are therefore exposed to considerable pain and suffering. People of good will should not tolerate these conditions in turkey breeding and farming any longer.

For the EU agricultural policy in general the following is applicable: „The money for the turnaround would be there. A sum of 6.8 billion EUR on agricultural subsidies is paid by the EU alone to German farmers, the height of the amount depends mainly on the surfaces cultivated. It would be better if there was a connection between the money and the conditions of the animals, and, in parallel, funding a monitoring covering all areas a comprehensive monitoring „(Der Spiegel 38/2016).

The undersigned:

  • Balluch, Dr. Dr. Martin (Chair, Verein gegen Tierfabriken (VGT, Association against Animal Factories, Austria)
  • Benecke, Dr. Mark (well-known criminal biologist, Chair of the political party DIE PARTEI in North Rhine-Westphalia)
  • Breyer, Hiltrud (founding member of the Green Group, Member of European Parliament 1989-2009)
  • Karnowsky, Prof. Dr. Wolfgang (Chair of the Management Board of the Hanns Rönn Stiftung)
  • Küster, Dr. Angela (Politologist for Agricultural Ecology and Food Sovereignty, Regional Chair Berlin of the V-Partei³)
  • Lorenzen, Prof. Dr. Sievert (CEO of Provieh e.V.)
  • Merkel, Prof. Dr. Reinhard (emeritus professor for criminal law and law philosophy, University of Hamburg, member of the German Ethics Council)
  • Metzinger, Prof. Dr. Thomas (Head of Theoretical Philosophy and the Research Center Neuroethics of the University of Mainz)
  • Moore, Prof. Dr. Ben (Director of the Center for Theoretical Astrophysics & Cosmology, University of Zurich)
  • Neussel, Dr. Walter (1st Chair of the Association for the Promotion of the Peter Singer Prize for Strategies to Reduce the Suffering of Animals)


Opinion of the VGT on cruel breeding and cruel factory farming with special consideration to turkeys, from the Austrian perspective

The Austrian Animal Protection Act prohibits in § 5(2)1 „breeding […] in which it is foreseeable that it is associated with pain, suffering, harm or anxiety for the animal or its descendants“. In addition, § 5(2)(13) prohibits „the accommodation […] of a […] animal being kept in such a way that the animal is subject to pain, suffering, damage or serious anxiety“. Furtermore, § 16(1) „The freedom of movement of an animal must not be restricted in such a way that the animal is subject to pain, suffering or damage or is put into serious anxiety“ and § 16(2) „The animal must have a space that is suitable for its physiological and ethological needs“.

These general provisions are gravely violated in turkey farming in particular.  The varieties used for breeding in Austria are „Converter“ from Canada and „Big-6“ from England. These animals get so heavy and immobile that natural reproduction is not possible. The male animals get 5 times as heavy as their natural species. Research by the VGT has shown that the turkeys in the mast-halls have little moving space. 70% of the animals move less than 2 m in 10 minutes on average per day, 55 less than 1 m. They suffer from lameness, necrosis of the chest muscles and leg weakness. The farming is particularly cruel. In Austria, about 1.3 million turkeys are slaughtered per year. There are 144 farms, where at any given moment on average 4500 turkeys are kept in halls. The mortality rate due to the farming conditions is about 15%. The beaks of all the turkeys are burned off with lasers, so that they can’t pick each other in despair. They have to live in unstructured halls with initially 3 turkeys per m², later 3 turkeys per 2 m². To this end, the halls are never cleaned for the entire 5 months, their droppings accumulate up to 30 cm in height. This is the current situation, although the 1st Austrian Ordinance on Animal Farming provides that the excretions of animals are to be „removed as often as necessary“. 30-40% have corresponding wounds on the feet and chest due to burns. In 70% of the Austrian plants the lighting is kept on 20 lux 24 hours per day. The animals don’t show any sleeping phases. Instead, cannibalism and heavy fighting are prevalent. The catching, transport and slaughter of turkeys were also documented by the VGT in Austria.There is a lot of violence in it, accompanied by suffering, pain and great anxiety.

The VGT joins the initiative of the Förderverein des Peter Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung (Association for the Promotion of the Peter Singer Prize for Strategies to Reduce the Suffering of Animals) against cruel breeding and cruel factory farming, especially with regard to Turkeys.

Remark:

The above basic text for campaigns against cruel breeding and cruel factory farming, including the supplement by the VGT, is to be understood as an organizational contribution to the reduction of animal suffering. It will be used by Provieh eV in Germany and the Verein gegen Tierfabriken (VGT) in Austria for their relevant campains. The text is also freely available for other organizations and motivated individuals who feel committed to act against the inhuman conditions in modern agriculture. It can be used without any changes including the list of undersigned included, or parts of the text without the list.

I would like to thank all the signatories and all animal friends and animal rights activists who have contributed to the improvement of the text from the bottom of my heart.

Dr. med. Walter Neussel

(First chairman of the Association for the Promotion of the Peter Singer Prize for Strategies to Reduce the Suffering of Animals)

Dr. Melanie Joy erhält 3. Peter Singer Preis

Berlin: Am 06.05.2017 fand im Essentis Biohotel in Berlin die Verleihung des Peter-Singer-Preises für das Jahr 2017 statt. Die Preisträgerin war die vegane Buchautorin Dr. Melanie Joy. Sie prägte mit ihrem Bestseller („Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“) den Begriff „Karnismus“ und vermittelt durch ihre Publikationen, ihre Vorträge rund um den Globus und über ihr Netzwerk „Beyond carnism“ die Zusammenhänge, warum wir bestimmte Tiere töten und essen und anderen streicheln.

Durch ihre Tierrechtsarbeit trägt Melanie Joy maßgeblich dazu bei, in qualitativer und quantitativer Weise zur Leidminderung von sogenannten Nutztieren beizutragen.

Vor vollem Saal – darunter auch Gäste aus Nah und Fern (Martin Balluch, VGT Österreich, Krishna Singh, PETA Deutschland uvm.) eröffnete Mahi Klosterhalfen (Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt) als Moderator die Veranstaltung mit der Verlesung eines Grußwortes von Prof. Peter Singer, dem Namensgeber dieses Preises und des Vereins, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen, die in außergewöhnlicher Art und Weise zu einer Verminderung von Tierleid beitragen, mit einer Medaille und einem Geldpreis von 10.000 Euro zu ehren.

Nachdem Ria Rehberg mit einem sehr eindringlichen und ergreifenden Vortrag über strategische Tierrechtsarbeit aus Sicht von Animal Equality gesprochen hatte, hielt Dr. Walter Neussel, einer der Vorsitzenden und Initiator des „Fördervereines des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung e.V.“, eine Rede über den „Berliner Apell gegen Qualzucht und Qualhaltung“.

Im Anschluss sprach der EU-Abgeordnete Stefan B. Eck, ebenfalls Gründungsmitglied und einer der Vorsitzenden des „PSP“, über seine praktische Tierschutz- und Tierrechtsarbeit im EU-Parlament. Als Beispiel ging er auf seinen Initiativ-Bericht zum Verbot der Batteriekäfighaltung von Kaninchen detailliert ein.

Im Anschluss hielt die Autorin Dr. Tatjana Visak die Laudatio auf die Preisträgerin.

Der Vorstand des Fördervereins des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung e.V. überreichte Dr. Melanie Joy unter dem Applaus der anwesenden Gäste die silberne Peter-Singer-Medaille nebst Urkunde und einen symbolischen Scheck.

Die Rede der Preisträgerin, die mit stehenden Ovationen quittiert wurde und die anwesenden Besucher*innen sichtlich begeisterte, beendete den offiziellen Teil der Feierlichkeiten.

Nach der Veranstaltung und einem veganen Essen wurde mit ca. 50 Gästen bis tief in die Nacht über Strategien zur Tierleidminderung diskutiert.

Second Person to Receive Peter Singer Prize, After Singer: Ingrid Newkirk

Source: PETA, written by Michelle Kretzer, May 12, 2016

„In an effort to bring together the brightest minds in the global anti-speciesism movement, honor their achievements, and create a more unified force for social change, a group headed by Dr. Walter Neussel last year established the Peter Singer Prize for Strategies to Reduce the Suffering of Animals. It chose the award’s namesake as the first recipient. And this year, as the second recipient, it elected PETA President and cofounder Ingrid Newkirk.“

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